Pädagogische Schwerpunkte

Der neugeborene Mensch kommt als „kompetenter Säugling“ zur Welt

Mein Bild vom Kind

Der neugeborene Mensch kommt als „kompetenter Säugling“ zur Welt (Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, 2016, S. 11). In meiner Arbeit als Kindertagespflegeperson (KTPP) beziehe ich mich ganz bewusst auf diesen Leitsatz, denn wie die Interaktion mit dem Kind im Alltag gestaltet wird, hängt maßgeblich von den Vorstellungen der Erwachsenen ab. Meine Vorstellung (mein Bild vom Kind) erklärt, wie ich Entwicklungs- und Bildungsprozesse des Kindes wahrnehme und dementsprechend das Interagieren mit dem Kind gestalte. Wie die heutige frühkindliche Forschung, sehe auch ich Kinder als aktive, kompetente Wesen, die von Geburt an eine Vielzahl von Kompetenzen und ein enormes Lern- und Entwicklungspotenzial mitbringen. Mir ist die Beachtung der individuellen Entwicklungsverläufe der Kinder sehr wichtig. Ich sehe das Kind als aktive und selbstwirksame Person, als Akteur seines Lebens und seiner Bildungs- und Entwicklungsprozesse.

Bindung und Autonomie

In den ersten Lebensjahren stehen Geborgenheit, Vertrauen und Exploration im Vordergrund der kindlichen Bedürfnisse. Um den Kindern dies in vollem Umfang zu ermöglichen, brauchen sie eine Kontinuität in der Beziehung zu anderen Betreuungspersonen, möglichst ohne viele Betreuerwechsel. In meiner Rolle als KTPP orientiere ich mich an der von John Bowlby (brit. Kinderpsychiater) und Mary Ainsworth (kanad. Psychologin) entwickelten Bindungstheorie. Sie geht von dem Grundbedürfnis des Menschen aus, eine enge Beziehung zu Mitmenschen aufzubauen, die Ihnen wiederum Sicherheit gewährt. Bindungs- und Explorationsverhalten des Kindes wechseln sich demnach permanent ab. Bindungsverhalten (Blickkontakt zur Bezugsperson, Festklammern, Weinen..) zeigt ein Kind, wenn es sich nicht sicher genug fühlt, um seine Umwelt zu entdecken und seiner Neugier nach Unbekanntem nachzugehen. Erst wenn es sich wieder sicher gebunden weiß, wird es den Mut haben sich zu lösen und seinem Explorationswunsch nachzukommen. Dieses Verhalten gilt es auch bei der Eingewöhnung genau zu beobachten und als Grundlage für das individuelle Vorgehen zu berücksichtigen. Als neue Bezugsperson für Ihr Kind, während der Abwesenheit von Ihnen (den Eltern) ist es meine Aufgabe, dieser sichere, schützende Hafen zu sein, bei dem sich ihr Kind willkommen, angekommen und verstanden fühlt, ebenso wie motiviert und gestärkt um seine Umwelt zu erforschen und spielerisch lernen zu können. Die Bindung zu den Eltern bleibt dadurch unberührt. Auch schon in sehr jungem Alter sind die Kinder in der Lage feste Bindungen zu einer kleinen Anzahl an Bezugspersonen aufzubauen.

Der Bildungsauftrag und die Umsetzung

Aufbauend auf mein Bild vom Kind unterstütze ich das Kind in seinem Streben nach Lernen und Bildung, indem ich ihm Sicherheit und Geborgenheit, sowie Zeit und Raum für seine Entwicklung zur Verfügung stelle. Kinder sind von Natur aus wissbegierig und an nahezu allem interessiert. Sie lernen voneinander und bilden sich selbst. Dafür bietet der strukturierte Tagesablauf mit all seinen Angeboten schon eine Vielzahl an Lernmöglichkeiten. Als Beispiel sei hier das gemeinsame Essen, das gemeinsame Rausgehen sowie das Spielen alleine oder in der Gruppe genannt. Ebenso bieten Rituale, z.B. der Morgenkreis, das Aufräumlied, oder das Händewaschen vor dem Essen eine Vielzahl von Bildungs- und Kompetenzerwerbs-möglichkeiten und geben dem Kind Sicherheit. Das Kind hat bei mir die Möglichkeit, sich frei zu entfalten und individuell wahr genommen zu werden. Mir ist wichtig, dass sich jedes Kind in meiner Kindertagespflege ernst und wahrgenommen fühlt und somit seinem eigenen Lernbedürfnis folgen kann. Als KTPP beobachte ich die Kinder regelmäßig und biete daran ausgerichtete Aktivitäten an. Deshalb gibt es in meiner Kinderbetreuung viele ganzheitliche Bewegungs- und Aktivitätsangebote (z.B. Laufen, Hüpfen, Raus gehen, Klettern, Singen, anregende Spielmaterialien, Mal- und Bastelangebote, gemeinsam Kochen…)

Die Eingewöhnung

Die Eingewöhnung ist ein zentrales Thema in Bezug auf die Kinderbetreuung, und essentiell wichtig für eine gelungene Zusammenarbeit. Ich würde sogar sagen, sie ist der wichtigste Grundstein in der Betreuung. Ich arbeite nach dem bedürfnisorientierten Ansatz des Berliner Modells, das die elternbegleitete Eingewöhnung unterstützt. Dieses Modell zeichnet sich durch seine Flexibilität und Anpassungsfähigkeit aus und orientiert sich an den Bedürfnissen und dem Tempo des einzugewöhnenden Kindes. Es bietet dem Kind ausreichend Zeit, um sich im Schutz einer Bezugsperson (Elternteil) mit der neuen Umgebung vertraut zu machen und eine Beziehung zu mir aufzubauen. Das genaue Vorgehen, speziell für Ihr Kind, besprechen wir dann gemeinsam.

Montessori Pädagogik in meiner Tagespflegestelle

In meiner ganzen Arbeit orientiere ich mich an der Montessori Pädagogik, einem von Maria Montessori entwickelten pädagogischen Bildungskonzept. Das Kind agiert als Baumeister seiner Selbst. Dies erfordert Vertrauen in das Kind, sowie Geduld und Verständnis von Seiten der Erwachsenen. Zum, wie in der Montessoripädagogik angestrebten „selbständig werden“ gehören zum Beispiel:

–          das Erlernen von Alltagskompetenzen: selber an- und ausziehen, Nase putzen,  Hände waschen, Beteiligung der Kinder beim Tischdecken        usw.

–          Körpererfahrung: bei körperlichen Aktivitäten wie laufen lernen, klettern

–          Umgang mit Natur und Materialien

–          Spracherwerb: beim Verstehen und sprechen lernen

Ich bin bemüht, den Kindern anregende und an den Entwicklungsstand angepasste Materialien und Räume anzubieten. Ebenso werde ich regelmäßig Thementabletts mit Material zur freien Verfügung stellen, die zum entdecken, ausprobieren und weiterentwickeln einladen. Für Kinder besonders spannende Elemente wie Wasser und Becher, Sand, Reis, Linsen und Siebe sowie Schüsseln und Naturgegenstände wie Nüsse und Kastanien laden zum schütten, sortieren, stapeln, entdecken ein.

Für mich gilt der Grundgedanke der Montessori Pädagogik im ganzheitlichen Arbeiten mit den Kindern:

Hilf mir es selbst zu tun!

Ich verstehe mich in diesem Sinne als Begleiterin der Kinder zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Die Kindern bekommen von mir einen sicheren Rahmen, innerhalb dessen sie sich frei bewegen und Ihre Grenzen erleben können. Die Freiheit der Montessori-Pädagogik ist aber keine grenzenlose Freiheit, demnach gibt es bei mir bestimmte Regeln, an die sich alle Kinder halten müssen. Bestimmtes Verhalten, zum Beispiel bei einem Konflikt (wie Hauen, Schubsen, Wegnehmen) wird von mir nicht geduldet, was nicht heißt, dass ich bei jedem Konflikt zwischen den Kindern sofort eingreife. Konflikte zu bewältigen ist eine wichtige Lernaufgabe für Kinder und ich möchte sie unterstützen einen adäquaten Umgang mit ihren Gefühlen zu erlernen. Ich greife dann ein, wenn Grenzen überschritten werden. Das wird von den Kindern in aller Regel sehr schnell gelernt und akzeptiert. Überdies hinaus gibt es bei mir sehr viele Freiheiten und Entwicklungspotenzial für die Kinder bei der Wahl ihrer Aktivitäten. Ich unterstütze jedes Kind in seinem selbstgewählten Tun, wenn es Hilfe braucht, z.B. beim Erklimmen der Rutsche auf dem Spielplatz. Ich setze ein Kind nicht einfach auf die Rutsche, sondern unterstütze es beim selbst dort ankommen. Kinder dürfen sich bei mir selbst ausprobieren, Fehler machen und Erfolge erleben. Sie lernen durch Wiederholungen.